Wenn Gefühle überwältigen: Wie Biografie und emotionaler Stil unsere Emotionsregulation prägen


Es ist ein Moment, wie er in einer Psychotherapiesitzung häufig vorkommt: Sie erzählen von einem Streit mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Eigentlich war der Anlass klein. Ein Satz, ein Blick, vielleicht eine vergessene Verabredung. Trotzdem steigt die Anspannung schnell an. Sie werden wütend, ziehen sich zurück oder bekommen Angst, verlassen zu werden. Später fragen Sie sich: „Warum reagiere ich eigentlich so stark?“
Solche Reaktionen entstehen nicht aus dem Nichts. Wie wir mit Emotionen umgehen, wird durch aktuelle Situationen, aber auch durch unsere persönliche Biografie und wiederholte Lernerfahrungen geprägt. Genau hier setzt eine moderne Psychotherapie der Emotionsregulation an.
Unsere Biografie beeinflusst, wie wir Gefühle erleben
Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens Vorstellungen darüber, was in Beziehungen sicher ist, welche Gefühle gezeigt werden dürfen und wie andere auf die eigenen Bedürfnisse reagieren. Besonders prägend können wiederholte Erfahrungen in wichtigen Beziehungen sein.
Wenn beispielsweise Bedürfnisse nach Bindung, Selbstwert, Autonomie oder Schutz über längere Zeit nicht ausreichend beantwortet wurden, können sich bestimmte emotionale Reaktionsmuster entwickeln. Vielleicht haben Sie gelernt, Traurigkeit lieber nicht zu zeigen. Vielleicht mussten Sie früh funktionieren und eigene Bedürfnisse zurückstellen. Oder Sie haben erfahren, dass Konflikte unberechenbar sind und deshalb besonders aufmerksam auf mögliche Zurückweisung reagieren.
Solche Muster sind nicht einfach „falsch“. Sie können ursprünglich eine wichtige Schutzfunktion gehabt haben. In späteren Lebensphasen können sie jedoch dazu führen, dass bestimmte Situationen besonders starke Gefühle auslösen.
Was ist ein emotionaler Stil?
Jeder Mensch hat einen individuellen emotionalen Stil. Damit ist vereinfacht beschrieben, welche Emotionen wir nach außen zeigen, welche wir eher zurückhalten und welche Gefühle wir innerlich besonders intensiv erleben.
In unserer therapeutischen Arbeit betrachten wir deshalb zwei Seiten: Welche Gefühle zeigen Sie anderen Menschen und welche Gefühle nehmen Sie selbst wahr?
Beides muss nicht übereinstimmen. Ein Mensch kann beispielsweise nach außen ruhig und kontrolliert wirken, während innerlich Angst, Trauer oder Wut sehr intensiv erlebt werden. Umgekehrt kann jemand Ärger deutlich ausdrücken, während verletzliche Gefühle wie Traurigkeit oder Angst kaum zugänglich sind.
Ein hilfreicher Zugang besteht darin, die eigenen Emotionen zunächst genauer wahrzunehmen und zu unterscheiden. Denn Gefühle geben wichtige Hinweise auf Bedürfnisse und können Orientierung für das eigene Handeln geben. Auch die aktuelle Beschreibung unserer Emotionsgruppe legt deshalb einen Schwerpunkt auf das Wahrnehmen, Benennen und Verstehen von Emotionen.
Warum starke Gefühle in zwischenmenschlichen Beziehungen besonders belastend sein können
Emotionen werden häufig dort besonders intensiv, wo uns etwas wichtig ist: in Partnerschaften, Freundschaften oder im Kontakt mit Familie und Kolleginnen und Kollegen.
Starke Gefühle in zwischenmenschlichen Beziehungen können beispielsweise entstehen, wenn wir Zurückweisung befürchten, uns nicht gesehen fühlen oder den Eindruck haben, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren. Wenn ähnliche Erfahrungen bereits früher mit belastenden Gefühlen verbunden waren, können aktuelle Situationen besonders schnell alte Reaktionsmuster aktivieren.
Dann entstehen manchmal automatische Strategien: Rückzug, Vermeidung, übermäßige Anpassung, Grübeln, Kontrolle oder ein heftiger Ausdruck von Ärger. Kurzfristig können diese Strategien entlasten. Langfristig können sie jedoch dazu beitragen, dass bestimmte Emotionen immer weniger als hilfreiche Information genutzt werden können.
Emotionsregulation bedeutet nicht, Gefühle abzustellen.
In der Emotionsgruppe im Psychotherapeutikum Hamburg geht es deshalb nicht darum, möglichst wenig zu fühlen. Ziel ist vielmehr, Gefühle besser verstehen und mit ihnen umgehen zu können.
Dazu gehört, wahrzunehmen, welche Emotion gerade vorhanden ist, welche körperlichen und gedanklichen Signale dazugehören und welches Bedürfnis möglicherweise dahintersteht. Ebenso wichtig ist die Frage: Was hilft mir, wenn ein Gefühl sehr intensiv wird?
In unserer Arbeit können konkrete Strategien zur Selbstberuhigung und zum Umgang mit intensiven Emotionen erarbeitet werden. Gleichzeitig betrachten wir die individuellen Lernerfahrungen, die zur heutigen emotionalen Reaktionsweise beigetragen haben. Unsere psychotherapeutische Arbeit ist verhaltenstherapeutisch ausgerichtet und verbindet das Verständnis für Entstehungsbedingungen mit aktuellen Veränderungsmöglichkeiten.
Gruppentherapie Emotionen: Verstehen, ausprobieren und neue Erfahrungen machen
Eine Gruppentherapie über Emotionen bietet dabei eine besondere Möglichkeit: Sie können die eigenen emotionalen Muster nicht nur verstehen, sondern auch im Kontakt mit anderen Menschen beobachten und neue Erfahrungen machen.
Unsere Gruppentherapie zum Umgang mit Emotionen richtet sich an Erwachsene, die sich emotional häufig überfordert fühlen oder Schwierigkeiten haben, eigene Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen. Inhaltlich geht es unter anderem um Psychoedukation, das differenzierte Wahrnehmen und Benennen von Emotionen, Akzeptanz sowie alltagstaugliche Strategien zur Regulation intensiver Gefühle.
Die Gruppentherapie findet in unserer Praxis in Hamburg-Ottensen statt und umfasst aktuell zwölf Sitzungen mit jeweils 100 Minuten. Die Gruppe findet donnerstags um 17:15 Uhr statt. Eine Teilnahme ist unter bestimmten Voraussetzungen für Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und Selbstzahlende sowie im Rahmen einer Kombinationsbehandlung auch für gesetzlich Versicherte im Kostenerstattungsverfahren möglich.
Wie wir Sie unterstützen
In unserer Praxis verbinden wir das Verständnis Ihrer persönlichen Biografie mit dem Blick auf aktuelle emotionale Muster. Gemeinsam können wir herausarbeiten, welche Situationen Ihre Gefühle besonders stark aktivieren, welche Strategien Sie bisher entwickelt haben und welche neuen Möglichkeiten im Umgang mit Emotionen entstehen können.
Wenn Sie Unterstützung bei Ihrer Emotionsregulation in Hamburg suchen und sich einen besseren Umgang mit Ihren Gefühlen wünschen, können Sie sich über unser psychotherapeutisches Angebot für Erwachsene informieren (https://www.psychotherapeutikum-hh.de/angebot-psychotherapie-erwachsene-hamburg).
Für Fragen oder zur Kontaktaufnahme schreiben Sie uns gerne an kontakt@psykum.de. Wir besprechen mit Ihnen, welches Angebot zu Ihrer aktuellen Situation und Ihrem Anliegen passt.


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