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Autismus-Diagnostik im Erwachsenenalter: Wie läuft sie ab?

  • Autorenbild: Hanna C. Siemoneit
    Hanna C. Siemoneit
  • 24. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Immer mehr Erwachsene stellen sich die Frage, ob sie autistisch sein könnten. Häufig entsteht dieser Verdacht erst spät im Leben, manchmal ausgelöst durch die Diagnose eines Kindes, durch Berichte anderer Betroffener oder durch das Gefühl, sich im sozialen Miteinander schon immer bewusst anstrengen zu müssen. Eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Erwachsenenalter abzuklären ist möglich, erfordert aber einen sorgfältigen und mehrstufigen Prozess.


Warum Autismus bei Erwachsenen oft übersehen wird

Wie bei allen psychischen Diagnosen gibt es auch beim Autismus keinen Bluttest und kein bildgebendes Verfahren, das eine eindeutige Antwort liefert. Die Diagnose wird klinisch gestellt, also über Gespräche, standardisierte Fragebögen, strukturierte Interviews und Verhaltensbeobachtung.

Besonders bei Erwachsenen mit guter Kompensationsfähigkeit ist das anspruchsvoll. Viele Menschen im Autismus-Spektrum haben über Jahrzehnte gelernt, soziale Situationen bewusst zu analysieren und passende Reaktionen abzuleiten. Was von außen unauffällig oder sogar besonders zugewandt wirkt, ist innerlich oft ein anstrengender, aktiv gesteuerter Prozess. Dieses sogenannte Masking führt dazu, dass eine Autismus-Diagnose bei Erwachsenen häufig sehr spät oder gar nicht gestellt wird. Frauen sind davon besonders betroffen, sie erhalten ihre Diagnose statistisch deutlich später als Männer.

Auch die aktuellen Diagnosekriterien tragen dem Rechnung: In der ICD-11 ist ausdrücklich festgehalten, dass manche Personen durch außergewöhnliche Anstrengung in vielen Bereichen angemessen funktionieren können, sodass ihre Schwierigkeiten für andere nicht erkennbar sind.


Wie die Diagnostik bei uns abläuft

Unsere Autismus-Diagnostik ist bewusst gestuft aufgebaut. So können wir nach jedem Schritt prüfen, welche weiteren Erhebungen sinnvoll sind, und halten den Aufwand für Sie so gering wie möglich.


Erstgespräch. Zunächst lernen wir uns kennen, klären offene Fragen zum Ablauf und führen eine ausführliche Anamnese durch. Dabei geht es um Ihre aktuelle Situation ebenso wie um Ihre Entwicklung, Schullaufbahn, berufliche und soziale Erfahrungen.


Fragebögen von zu Hause. Im Anschluss erhalten Sie online Fragebögen zur Selbsteinschätzung, die Sie in Ihrem eigenen Tempo und mit Pausen ausfüllen können.


Fremdeinschätzung. Da Außenperspektiven wichtige Hinweise liefern, beziehen wir eine Bezugsperson ein. Ideal ist eine Person, die Ihre Kindheit miterlebt hat, etwa ein Elternteil, da Hinweise auf eine frühe Symptomatik für die Diagnose zentral sind.


Klinisches Interview. In einem ausführlichen persönlichen Termin gehen wir die diagnostischen Kriterien strukturiert mit Ihnen durch und besprechen Ihre Fragebogenantworten.


Testungstermin. Hier kommen weitere Verfahren zum Einsatz, die individuell auf Ihre Situation abgestimmt werden. Auch ein Test zur Einschätzung kognitiver Fähigkeiten gehört dazu, um andere Erklärungen für die Schwierigkeiten auszuschließen.


Differentialdiagnostik. Verschiedene psychische Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen, etwa Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen, Traumafolgestörungen oder eine AD(H)S. Diese Abgrenzung ist uns besonders wichtig, damit die Diagnose belastbar ist.


Rückmeldung und Bericht. Zum Abschluss besprechen wir die Ergebnisse ausführlich mit Ihnen, beraten zu passenden Unterstützungsmöglichkeiten und Sie erhalten einen ausführlichen Befundbericht.


Autismus und AD(H)S gemeinsam abklären

Autismus und AD(H)S treten häufig zusammen auf. Erst seit der Einführung des DSM-5 ist eine Doppeldiagnose überhaupt vorgesehen, weshalb viele Erwachsene bislang nur eine der beiden Diagnosen erhalten haben. Bei uns können beide Fragestellungen in einem Prozess abgeklärt werden. Wenn Sie beide Verdachtsmomente haben, sprechen Sie dies bitte gleich im Erstgespräch an, damit wir die Diagnostik von Beginn an entsprechend planen können.


Kosten und Abrechnung

Eine reine Diagnostik ohne begleitende Psychotherapie ist ein Sonderfall in der Kostenübernahme. Das Kostenerstattungsverfahren gilt ausschließlich für Psychotherapie, nicht für Diagnostik. Für gesetzlich Versicherte handelt es sich daher um eine Selbstzahlerleistung. Privatversicherte und Beihilfeberechtigte können die Kosten je nach Tarif erstattet bekommen, wir empfehlen eine Vorabklärung mit Ihrer Versicherung. Einen individuellen Kostenvoranschlag stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung.


Kontakt

Sie haben Fragen zum Ablauf unserer Autismus-Diagnostik oder möchten einen Platz anfragen? Melden Sie sich gerne jederzeit bei uns unter kontakt@psykum.de

 
 
 

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